Viele schauen es, wenige verstehen es…

Das Dschungelcamp – oder um mal beim offiziellen Titel zu bleiben: „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ – lief dieses Jahr wieder „beim RTL“ und sorgte für sensationelle Einschaltquoten. Zwischen 40 und 50 Prozent in der werberelevanten Zielgruppe konnte man einsacken. Aber nur wenige Zuschauer verstehen die Sendung an sich wirklich.

Seien wir doch mal ehrlich. „IbeS“ ist vielleicht in den Anfängen mal als sogenannte „Ekelsendung“ geplant gewesen, aber heute sieht das doch ganz anders aus. Die meisten Teilnehmer der Sendung gehen nicht nach Australien, um „neue Erfahrungen“ und „ihre Grenzen“ zu erfahren, sondern aus zweierlei möglich Gründen: Geld oder Aufmerksamkeit. Oder beides. Damit das nicht auffliegt, lädt man einen Ruhepol a la Reiner Langhans ein, der darüber hinaus noch Extrawürste bei seinem Vertrag bekommt.

Wenn dann solche Skandale geschehen wie in der jüngsten Staffel um Sarah Knappik (ja, Dingens ist nicht ihr richtiger Nachname!) dann freut das natürlich viele Leute: RTL, weil sie Aufmerksamkeit bekommen. RTL, weil sie durch Aufmerksamkeit Zuschauer und somit Geld bekommen. Den Dargestellten, da er in der Öffentlichkeit diskutiert wird. Alle, die am Streit beteiligt sind, weil sie fortan im Mittelpunkt stehen. Wen hätte ein Peer interessiert, wenn er nicht in den Skandal um Sarah verwickelt gewesen wäre? Vermutlich nicht so viele, dass er auch hätte Dschungelkönig werden können.

Es geht im Camp nicht ums Überleben, um Erfahrungen, um Grenzen, sondern ganz einfach um Geld und Promotion. Wer das nicht versteht oder verstehen kann und denkt, dass alles, was RTL uns zeigt, den lieben langen Tag passiert, der hat sich gewaltig geschnitten. Denn „geschnitten“ ist auch das Stichwort dafür. RTL schneidet die Tagesbeiträge so zusammen, dass folgende Komponenten dabei sind: Streit, Provokation, Erotik. Denn das ergibt wiederum… na? Richtig! Aufmerksamkeit und Geld, da Zuschauer einschalten und so weiter. Ich denke man hat das jetzt verstanden. ;) Noch besser ist es natürlich, wenn auf allen möglichen Plattform, allen voran natürlich Twitter, heftigst über die einzelnen Personen und ihre vermeintlichen Einstellungen diskutiert wird. Dabei lässt sich RTL aber auch sehr viel Gestaltungsfreiheit, eine Person so darzustellen, dass man am besten darüber diskutieren kann. Dafür sorgen ebenfalls die entsprechenden bissigen Kommentare und Moderationen.

Doch was am meisten nicht verstanden wird sind die herrlichen Moderationen von Dirk Bach und Sonja Zietlow. Oft höre und sehe ich, dass die Witze, die die beiden machen, nicht passen, unnötig sind, überheblich hergezogen oder einfach nicht lustig oder teilweise gar nicht als solche interpretiert werden. Manche mögen nur einen des Duos, obwohl sie beide gleichermaßen mit spitzer Zunge reden. Nur ganz selten findet man Menschen, die beide Moderatoren gut finden. Manch wortgewandter Nutzer auf Twitter bezeichnen die Zwischenmoderationen nur als „Dummes Gelaber“ und würden sie sich vermutlich ganz weg wünschen, andere wiederum sehen in dem Format vermutlich auch nur ein Format, um nackte Haut bestaunen zu dürfen und würden sich am liebsten gleich einen 24-Stunden-Kanal auf sky wünschen.

Das liegt daran, dass sich viele Seitenhiebe der zwei Moderatoren teilweise nicht mal auf die – von ihnen sogar selbst als uninteressant dargestellten – Personen im Camp beziehen, sondern munter an die Konkurrenz, aber sehr häufig auch an die eigenen Kollegen in der Medienbranche gehen. Die weit verbreitete Begründung, der Sender könne aufgrund der großen Distanz dagegen nicht sofort eingreifen, halte ich für Blödsinn. RTL will genau das, weil es Einschaltquoten bringt. Die Menschen wollen unterhalten werden. Und das schaffen Bach und Zietlow in jeder Staffel aufs Neue. Von daher schäme ich mich überhaupt nicht, „Ich bin ein Star – Holt mich hier raus!“ als grandios produziertes und moderiertes Format zu bezeichnen.

Fassen wir zusammen: „Promis“ gehen nicht aus Langeweile ins Camp, es steckt immer die Motivation Geld und/oder Aufmerksamkeit dahinter. RTL hat kein Interesse daran, dass alle friedlich rund ums Lagerfeuer sitzen. Das bringt keine Aufmerksamkeit, damit kann man keine Zuschauer locken. Aus diesem Grund wird dafür gesorgt, dass die Teilnehmer in den abendlichen Sendungen so dargestellt werden, wie man es für richtig hält. Selbst ein ungünstiger Satz, den jemand am Tag sagt und ansonsten ganz nett ist kann RTL als assoziales Arschloch darstellen. Wo ein Wille…