Suizid und Bahn

14:25 Uhr, Butzbacher Bahnhof – Die Frisur hält (dank neuem Haarschnitt). Zusammen mit Max warte ich auf den um 14:32 Uhr ankommenden RegionalExpress Richtung Frankfurt, um in Bad Nauheim aussteigen zu können. Noch nicht ganz die Treppe zum Bahnsteig hoch gestiegen bemerken wir beide schon den Hinweis auf dem Laufband, dass der Zug ca. acht Minuten Verspätung habe. Das kann man ja noch verkraften.

Als der Zug eigentlich kommen sollte… kam er nicht. Stattdessen wurden die Wartenden von der freundlichen Bahndame darüber in Kenntnis gesetzt, dass sich eine (O-Ton) „suizidgefährdete Person“ auf dem Gleis befände und der einfahrende RegionalExpress deshalb noch „ein paar Minuten“ warten müsse. Najaaaa. Dann kam auch der schicke RegionalExpress und fuhr nicht wie sonst üblich auf Gleis 2 diesmal auf Gleis 3 ein. Kein Problem, Gleis 3 ist ja direkt neben Gleis 2, das sind nur ein paar Schritte.

Wir haben uns also schön in den Zug gesetzt und warteten gespannt der Dinge die uns noch so erwarteten. Als wir es uns so schön gemütlich gemacht haben, machte der Schaffner (heißt das noch so?) eine Durchsage, die sich weitaus professioneller als das aufgewirbelte Drama der Durchsagerin im Bahnhof anhörte: „Wegen Personen im Gleisbett… verzögert sich die Abfahrt um ca. 15 bis 20 Minuten!“… -.-

Die 15 Minuten vergingen, 20 auch, dann waren es 30. Gerade in diesem Moment flackert auf dem Laufband ein Hinweis auf: Die einfahrende RegionalBahn endet in Butzbach. Natürlich ignorierten diesen Hinweis gut zehn Leute und stiegen hektisch aus dem RegionalExpress aus und wechselten in die RegionalBahn. Der Zugführer schmunzelte lediglich durch die Lautsprecher, dass es keinen Sinn macht, in die RegionalBahn einzusteigen, da sie sowieso nicht weiter fährt.

Voller Panik und wie von einer Tarantel gestochen – der Schrei eines Mädchen bezüglich der Hektik hätte jedenfalls darauf schließen können – hechteten soeben Ausgestiegene wieder zurück in den RegionalExpress. Die Zeit verging, bis dann auf Gleis 1 ebenfalls von Gießen aus kommend ein schicker IC einfuhr… und ebenfalls hielt. Nun waren alle vier Gleise blockiert, denn auf Gleis 4, sofern es denn so heißt, hielt ein DB Railion-Wagen.

Von der Einfahrt des IC wenig beeindruckt unterhielt ich mich ein wenig mit Max, bis es dann ein drittes Mal eine Durchsage gab: „Bitte steigen Sie in den IC auf Gleis 1 um. Dieser hält auf allen Unterwegsbahnhöfen bis Friedberg!“… Wir also wieder raus aus dem Zug und in den schönen IC von Hamburg nach Koblenz, Bregenz oder wie auch immer, es war jedenfalls ein Z am Ende… Glaube ich.

Im IC angekommen setzten wir uns in einen Wagen und warteten auch hier wieder darauf, dass es endlich weiter geht. Tat es aber nicht. Vorerst jedenfalls nicht. Eine neugiere Dame fragte den nur drei Reihen weiter vorne sitzenden DB-Mitarbeiter, der nicht im Dienst war, wann es denn weiter ginge. Dieser reagierte dann gewohnt freundlich: „Woher soll ich denn wissen warum wir nicht weiterfahren? Ich bin nicht im Dienst!“… Als dann 10 Minuten später (ja, wir standen immer noch) ein junger Mann in die Runde fragte, was denn los ist und die erste Dame munter auf den – natürlich immer noch nicht im Dienst befindlichen – DB-Mitarbeiter zeigte und „Da!“ sagte, fiel die Reaktion ähnlich aus.

Bis wir dann endlich weiterfahren konnten (das war gegen 16:00 Uhr), gingen noch zahlreiche Personen auf die Toilette oder gaben ihr Hab und Gut zur Beaufsichtigung an ihren Sitznachbarn um unterdessen schnell noch eine Nervenzigarette rauchen zu können. Der Zug bewegte sich dann – für einen IC angepasst – mit gefühlten 50 Metern pro Sekunde Richtung Bad Nauheim und ich kam pünktlich zu meinem Bus eine Stunde zu spät.