Phänomen „Durchfahrender Zug“ und andere Kuriositäten

Jaja, bei der Deuschen Bahn, da ist die Welt noch in Ordnung. Doch seit dem Fahrplanwechsel gerät in Frankfurt ein bisschen was ins Trudeln. Die S-Bahn-Linie S1 nach Offenbach Ost um 9:04 Uhr gibt es laut Bahn-Computer nicht mehr, aber sie fährt trotzdem…

Ich wurde schon etwas stutzig, als ich diese Woche auf dem Zugzielanzeiger (das sind diese schicken Teile, die anzeigen, welcher Zug als nächstes fährt) von Gleis 101 in Frankfurt am Main Hauptbahnhof (tief) gelesen habe, dass Linie „D“ um 9:04 als Zugdurchfahrt gekennzeichnet ist. Eine Zugdurchfahrt im S-Bahn-Bereich? Na, das lasse ich mir doch nicht entgehen. Gespannt warte ich auf den durchfahrenden Zug… Doch der fährt nicht durch, sondern hält am Gleis. Auf der S-Bahn steht klar und deutlich: „Offenbach-Ost“, wenn auch falsch geschrieben, aber dennoch erkennbar, in welche Richtung diese S-Bahn fährt.

Als sich die S-Bahn in Bewegung gesetzt hat, setzt der „Schaffner“ die Fahrgäste darüber in Kenntnis: „Sie befinden sich in der S-Bahn Linie S1 nach Offenbach Ost!“… Nun gut, dann scheint das ja alles richtig zu sein… In jedem der sieben angefahrenen S-Bahn-Stationen brüllte er auf das Gleis nach draußen: „Auf Gleis 1 fährt ein. S-Bahn S1 nach Offenbach Ost. Die S-Bahn-Linie 9 nach Hanau über Offenbach Ost folgt direkt danach!“… Auch auf den restlichen Zugzielanzeigern war entweder „Achtung! Zugfahrten“ oder gar nichts von besagter Geisterlinie zu lesen. Ist da etwa eine Linie beim Fahrplanwechsel verschütt gegangen? Bereits gestern habe ich die „Zugdurchfahrt“ bemerkt und auch heute schien die Sache nicht unter Kontrolle. In diesem Zusammenhang würde mich mal interessieren, wie aufwändig es ist, eine solche Linie in den ZZA-Computer der Deutschen Bahn einzugeben.

Dass ich am Montag Abend bedingt durch eine S-Bahn-Großstörung erst gegen 20:45 Uhr zu Hause angekommen bin, möchte ich an dieser Stelle gar nicht so sehr in den Vordergrund heben. Dass das Schienennetz der Deutschen Bahn sehr fehleranfällig ist, wird jeden Tag aufs Neue bewiesen. Kommt es auf der Strecke zu Behinderungen, dann wirkt sich das auf den kompletten Regionalverkehr aus… So auch heute: Auf der Strecke zwischen Frankfurt und Fulda hat sich ein Personenunfall ereignet. Daraufhin mussten alle ICE auf die Trasse der Main-Weser-Bahn umgeleitet werden. MEin Zug kam heute mit ca. 30 Minuten Verspätung in Bad Nauheim an. Einen Bus habe ich dadurch natürlich nicht bekommen.

Die gute Frau am Lautsprecher in Frankfurt hatte auch so ihre Mühe, alles Gleisänderungen mitzuteilen. In eine Durchsage verpackte sie gleich drei Gleisänderungen, die sie im Abstand von 3 Minuten wiederholte. Da kann man schon etwas Mitleid haben, wenn man die ganze Zeit nur in ein Mikrofon vor sich rein texten muss. Kein Mitleid hingegen hatte eine besonders spezielle Tür gestern Abend im RegionalExpress um 19:01 Uhr mit den Fahrgästen in dem Wagen: Mit besonders eindringlichem Ton verrichtete die hydraulik-gesteuerte Automatik-Tür ihre Arbeit. Leider hatte ich das Vergnügen, schon 15 Minuten vor „Reiseantritt“ im Wagen zu sitzen und den unverkennbaren melodischen Klängen der Durchgangspassage beizuwohnen.

Was wäre die Welt nur ohne die Deutsche Bahn? Ich könnte nicht solche tolle Geschichten erzählen und mir wäre langweilig. Zudem hätte ich nichts, worüber ich mich am Tag aufregen kann. ;)