Gestrandet in Bad Vilbel

Um irgendwo in einem Ort zu stranden benötigt man keine Flugzeuge in Verbindung mit einer Aschewolke – nein, eine defekte Bahn tut es auch.

Die Heimfahrt von Frankfurt gestaltete sich heute doch etwas abenteuerlich. „Nur wenige Meter“ vor Bad Vilbel kam die HLB zum Stehen – und fuhr nicht weiter. Die Lichter gingen aus und wir standen erst mal schön auf der Brücke herum. Durchsagen hielt man nicht für nötig, wozu auch – ist ja schließlich ein Privatbahn. Nachdem ungefähr eine halbe Stunde vergangen war wurde von außen die Tür notentriegelt. Der Zugführer war mit ölverschmierten Händen herein gekommen und sagte erstmals was Sache war: Der vordere Teil ist komplett im Eimer. Er versuchte es mit dem hinteren Triebkopf, doch außer einem kurzen Ruck und einer Bewegung von ca. zwei Zentimetern geschah nichts.

Kurz darauf wurden wir gebeten, den Zug zu verlassen und zum „nahe gelegenen“ Bahnhof Bad Vilbel zu laufen. Dazu mussten wir erst mal aus luftiger Höhe hinunter aufs Gleisbett springen und dann kreuz und quer durch die Landschaft gehen bis wir an einen befestigten Bürgersteig ankamen. Dort suchten wir dann den Weg zum Bahnhof, der sich doch als weiteres Ziel heraus stellte.

15 Minuten am Bahnhof angekommen warteten wir dann noch einmal darauf, dass überhaupt eine S-Bahn nach Friedberg einfuhr, denn die kaputte Bahn blockierte eines von zwei Hauptgleisen auf der Strecke Frankfurt-Gießen – und da wollten auch noch andere Züge durchfahren. Als dann die S-Bahn eintraf (wir mussten nochmal die Treppe hinunter und eine andere hinauf weil die S-Bahn auf einem anderen Gleis einfuhr) war ich sehr froh. Ich konnte endlich meinen Sitzplatz einnehmen und mich innerhalb von nur 20 Minuten nach Friedberg kutschieren lassen. Die andere Bahn hätte nur 10 Minuten benötigt, aber die hält ja auch nicht an jedem Kaff.

Fazit des Abends: Ich bin stinksauer darüber, wie Fahrgäste über den Zustand einer liegen gebliebenen Bahn bei der HLB informiert werden und dass der Defekt einfach so aus heiterem Himmel entstehen konnte. Älteren Menschen zuzumuten aus einer doch höheren Zuglage hinunter auf das Gleisbett springen zu müssen ist meiner Meinung nach völlig inakzeptabel. Für die 30 Minuten Wartezeit wurden wir nicht entschädigt.